Kommentar: Warum wir „leichte Sprache“ brauchen

Politik & Gesellschaft

Susanne Gaschke von der WELT beschwert sich in einem Beitrag, dass eine neue Ausgabe der Wochenzeitung Das Parlament, die sich mit der Arbeit des Deutschen Bundestages befasst, „herablassend und dumm“ sei, weil sie nicht in leichter Sprache, sondern dumm geschrieben sei. Recherchezeiten kommen heutzutage immer zu kurz, daher: Was ist leichte Sprache und wieso wird sie genutzt?

Leichte Sprache existiert, um diejenigen zu erreichen, die keine Oberstudienräte sind. Sie ist für die Mehrheit unserer Gesellschaft geschrieben, die nicht studiert hat. Sie ist für diejenigen geschrieben, die erst gar nicht versuchen zu lesen, aus der Frust und Erfahrung heraus, Dinge nicht zu verstehen.

Als peinlichen Höhepunkt vergleicht die Autorin in ihrem Beitrag leichte Sprache mit der „Sendung mit der Maus“. Damit impliziert sie, dass Menschen, die Beiträge in leichter Sprache lesen, in ihrer geistigen Entwicklung auf Kleinkind-Niveau stehen geblieben sind. Was sie nicht erkennt: (Fast) jede*r kann verstehen, wenn  sich die Zeit genommen wird, um Dinge zu erklären.

In (Fach)-Artikeln werden Zusammenhänge oft komplizierter dargestellt, als sie es sind. Es werden Schlagworte genutzt, die auf bestimmte Denkrichtungen hindeuten. Nicht zuletzt werden Beschreibungen deshalb als kompliziert wahrgenommen, weil eigenes Hintergrundwissen fehlt, oder Hintergrundwissen nicht vermittelt wird. Langwierige Recherchen sparen sich die meisten Leser*innen in solchen Situationen oft. Dann ist es doch bequemer, an Erklärungen und Aussagen der AfD zu glauben – die erklären Dinge nämlich einfach und polemisch.

Der Beitrag der Autorin ist ein Armutszeugnis und symbolisiert eine Arroganz, die für den Stillstand der linguistischen Entwicklung steht. Denn leichte Sprache ist die anspruchsvollste Herausforderung des Schreibens. Sie verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie ist eine starke Waffe in der Kommunikation, wenn ihren Leser*innen  nicht unterstellt wird, dumm zu sein. Leser*innen, Bürger*innen  werden hingegen „dumm“, wenn Medien ihre Rolle als vierte Gewalt der Demokratie nicht ernst nehmen und es unterlassen, möglichst alle zu erreichen. Denn jede*r sollten das Recht haben, die Welt um sich herum zu verstehen.

25.09.2018

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